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© 1999-2012  Matthias Riedel

 
 
 
 

 

 

 

 

 
 

Reisetagebuch aus Costa Rica

Reisebericht Costa Rica vom 29. Dezember bis 20. Januar 2011

Vom tief verschneiten Deutschland in den ewigen Sommer Costa Ricas. Eine dreiwöchige Reise mit dem Auto durch den Westen Costa Ricas.

  29.12.2010/30.12.2010 Mal Pais

Unser erstes Ziel war Mal Pais auf der Peninsula de Nicoya an der Pazifikküste. Wir hatten hoch gepokert, da wir darauf spekuliert haben, non-stop von Stuttgart nach Frankfurt mit dem Flugzeug mit Stop-over über die Dominikanische Republik in die Hauptstadt San Jose, dann mit dem Bus über holprige Strassen auf die Fähre von Puntarenas nach Playa Naranjo wieder in den nächsten Minibus gesprungen, um auf halber Strecke irgendwo in der Pampa auf einen wartenden Jeep umgeladen zu werden, der einen dann direkt in die Lodge „The Place“ nach Mal Pais bringt. Wer so hoch pokert darf sein Pokerface nicht verziehen, wenn der Flieger wegen Vereisung nicht starten und bei der Ankunft wegen Überfüllung nicht direkt in die Parkposition fahren kann.

Alles kein Problem, wir hatten ja nur 1 ½ Stunden Verspätung und die Fähre würde sicherlich auf uns warten. Jawohl wir hatten hoch gepokert, aber die Karten waren gut. Die Fähre hat tatsächlich 2 Minuten gewartet. Schnell drauf gesprungen und es hiess Leinen  los. Letztendlich ging alles wie von Geisterhand und wir sind im Strudel der Zeitmaschine direkt vors Hotel gespült worden. Ein Lob an Tierra Verde mit seinem Tierra Verde Voucher Programm - Hotel Voucher & Auto, der den Zubringerdienst zum Startpunkt der Reise optimal organisiert hat (www.tierraverde.com, Tel.: 00506-2249 2354). Unsere Bekannte Monika hat uns dort in Empfang genommen und uns erst einmal in die lokalen Örtlichkeiten des Dorfs eingeführt. Dazu gehört natürlich ein Minikurs im obligatorischen Wellenreiten.

Also ruck-zuck ein Surfboard ausgeliehen und rauf auf die Welle. Als blutiger Anfänger war ich natürlich mehr unter der Welle als auf der Welle.

Wer surft, kann auch ganz entspannt und gepflegt essen gehen. Monika´s Bekannte aus dem Ort haben uns ihren Tip für das beste Restaurant in Mal Pais verraten. Und wirklich, das Ritmo Tropical (Hotel Restaurant & Pizzeria, 100 m South from the cross road Malpais Playa Carmen Costa Rica, Tel. (506 26400174, info@hotelritmotropical.net) hat ausgezeichnete Fischgerichte und einen Mega-Mochito. Mega kann man schon sehr wörtlich nehmen. Hier gibt es nicht den Mochito im kleinen Cocktail-Glas, sondern in der zünftigen Glaskaraffe. Nach 30 Stunden auf den Beinen und einer Karaffe Mochito waren die ersten Anzeichen von Müdigkeit bei mir nicht ganz von der Hand zu weisen. So bin ich den ersten Tag sanft entschlummert bei angenehmen 28 Grad Außentemperatur und einer sanften Meeresbrise.

 

 

 

 31.12.2011 Silvester in Mal Pais

 Entspannt frühstücken bei einem Cafe con leche, einem Croissant von der Bäckerei, etwas surfen, einem Smoothie zwischendurch, abhängen im Schatten und ausgedehnten Strandspaziergängen und schwupp haben wir uns schon wieder beim Abendessen befunden. Leider kann man das Restaurant Chamäleon nicht mit auf die Tipp-Liste aufnehmen.

Das neue Jahr haben wir bei einem Lagerfeuer, am Strand bei gegrillten Marshmallows und einem Cubalibre, umringt von einer Vielzahl anderer Feuerpunkte unter dem Rauschen der Brandung begrüßt. Feuerwerk war nur sehr vereinzelt zu sehen, aber die Ticos wissen zu feiern und so schichten sie riesige Holztürme auf, die sie pünktlich ins neue Jahr hinein über weite Strecken hinweg sichtbar abbrennen.

 Bleibt mir nur unter dem hell funkelnden Sternenhimmel Euch allen ein gutes neues Jahr - un bueno nuevo ano - zu wünschen.

Im gleichen Rhythmus sind die anderen Tage am einsamen kilometerlangen Sandstrand dahingeflogen. Wenn Ihr dort seid, müsst Ihr unbedingt den Sonnenuntergang auf der Terrasse im Restaurant Buenos Aires genießen. Hier gibt es nicht nur den besten Blick über die gesamte Bucht, sondern auch eine herrliche Speisekarte, die sich in luftiger Höhe gleich doppelt genießen lässt.

Etwas Pech hatten wir als uns am Lagerfeuer am Strand der Rucksack, welchen wir neben uns abgelegt hatten durch eine Gestalt, die kurz aus der Dunkelheit auftauchte und dann in die Büsche verschwand, geklaut wurde. Nachts am Strand sollte man nur in der Gruppe und nach Möglichkeit ohne jegliche Wertsachen verbringen. Bis auf eine Kamera war dies bei uns der Fall, denn ein Bild vom Sonnenuntergang ist eben auch etwas Schönes.

6.-7.1.2011 Montezuma & Park Reserva Natural Absoluta Cabo Blanco

Die Finca los Caballos - http://www.naturelodge.net/contact-us.html 4 km südlich von Cobano auf dem Weg nach Montezuma gelegen, ist eine äußerst entspannte Unterkunft mit herrlichen Ausblicken von den verschiedenen Terrassen über die bewaldete Küstenregion.

 Wer einen Ausflug zu den Brüllaffen unternehmen möchte, der kann diese im ältesten Park Costa Rica´s, dem „Park Reserva Natural Absoluta Cabo Blanco“ treffen, welcher 20 Min. von Montezuma entfernt an der Südspitze der Küste Peninsula Nicoya liegt. Bei der Wanderung durch den tropischen Trockenwald lassen sich aus nächster Nähe schlafende Fledermäuse in Baumstümpfen, Großfamilien von Brüllaffen bei ihren Streifzügen von Baum zu Baum, bunte Schmetterlinge, Nüsse kauende Eichhörnchen und neugierige Nasenbären beobachten.

 

7.-9.1.2011 Bucht von Tamarindo & Strand Playa Grande

 Wer ein 4x4 Auto zur Verfügung hat, sollte die Tour in Richtung Norden nicht auf den offiziellen Schotterpisten fahren. Viel schöner ist es einer Empfehlung einer Einheimischen zu folgen und sich auf einem Pfad quer durch das Land auf holprigen Pisten durch Flussläufe sowie Hügel- und Tallandschaften mit maximal 20 Std.-km durchzuschlagen. Da die Strecke (Montezuma-Cobano-Rio Frio-Zapote-Jicaral-Nicoya-Santa Cruz-Playa Grande) deutlich kürzer ist, hat man letztendlich die gleiche Fahrzeit, als würde man auf den besser präparierten Strassen fahren. Nach ca. 1/3 der Strecke münden die Pfade wieder in geteerte Strassen ein, die einen dann flott nach Playa Grande bringen. In Playa Grande sind wir im Hotel Cantarana (Hotel & Restaurant Cantarana -  frontdesk@hotel-cantarana.com - http://www.hotel-cantarana.com/Hotel & Restaurant Cantarana, Palm Beach Estates, Playa Grande, Sta. Cruz,  Costa Rica, Tel.: 00506-2653-0486) untergebracht, welches von Deutschen in familiärer und warmherziger Weise geführt wird. Ein Extraschmankerl gibt es für die Liebhaber der gehobenen Küche, da in dieser verlassenen Gegend wohl der einzige Fernsehkoch aus Teneriffa in ganz Costa Rica seine Kochkünste zum Besten gibt. 

 Einer der Hauptattraktionen in Playa Grande ist den Lederschildkröten im Nationalpark Marino Las Baulas zwischen November und März bei der Eiablage in der Nacht bei Flut am Strand zuzusehen. Der Strandabschnitt wurde vor einigen Jahren zum Naturreservat erklärt, um die gefährdete Art vor dem Aussterben zu bewahren. An der Rangerstation, die sich kurz vor dem Strand befindet, kann man eine geführte Tour zur Schildkrötenbeobachtung buchen. Zu unserer Zeit wurden maximal 60 Personen auf 3 Gruppen aufgeteilt. Wer keine Reservierung hatte, konnte aufgrund des Ansturms und der wenigen Schildkröten, die sich auf den Strand schleppten nicht darauf hoffen, einen Blick auf das Naturschauspiel zu werfen. So war es auch bei unserem ersten Versuch. Um 24 Uhr versuchten wir auf der Warteliste noch auf einen regulären Platz aufzurücken. Aber an diesem Abend zeigte sich nur eine einzige Schildkröte am Strand und somit konnte sich nur die erste Gruppe an die Eiablage heranpirschen. Glück im Unglück, wir haben bereits um 2 Uhr morgens das Warten aufgegeben. Der Rest der begeisterten Naturbeobachter harrte bis 4 Uhr 30 im Halbschlaf aus, um dann ohne Schildkrötenkontakt ins Bett geschickt zu werden.

 Also auf ein Neues am nächsten Tag. Die Parkverwaltung hatte uns gesagt, dass wir pünktlich um acht am Büro sein sollten, zur persönlichen Eintragung in die Warteliste, um damit eine Chance auf ein Tourticket zu bekommen. Um 11 Uhr war das Büro zwar immer noch geschlossen, aber wir konnten jemanden ausfindig machen, der unsere Namen mit auf die Liste setzte. Es schien unser Glückstag zu sein. Erstens begann diese Tour schon um 18 Uhr, zweitens quälten sich zwei Schildkröten kurz nach Sonnenuntergang den Strand hinauf und drittens, konnten wir von der dritten Gruppe in die Zweite vorrücken und hatten damit die Möglichkeit für 20 Dollar pro Person dem Koloss am Strand beim Schaufeln seines Nestes zuzusehen. Nachdem die Lederschildkröte unter heftigem Schnaufen ihre 80 Eier in den Sand gelegt hatte, bekamen auch wir nach diesem anstrengenden Ereignis Hunger. Sicherlich wird man in dieser Gegend kein Restaurant der gehobenen Küche erwarten. Doch im Cantarana wurden wir eines besseren belehrt. Wer einen super zarten und saftigen Fisch essen möchte, sollte den Rochen probieren, der aber nicht auf der Speisekarte stand.

9.-11.2011 Playa del Coco & Palo Verde National Park

 Am Playa del Coco gibt es einige Tauchcenter, die für uns den einzigen Charme des Örtchens ausmachten. Wir haben uns für zwei Tauchgänge im The Summer-Salt Dive Center (Playas del Coco, Guanacaste, Costa Rica, http://www.summer-salt.com/about, Address: 50 m Sur del Parque Playas del Coco, Tel: 506 26 70 03 08) eingebucht, um einen Blick in die Unterwasserwelt Costa Ricas zu werfen. Leider lag die Sicht an diesem Tag nur bei 5 m. Da war es selbst nicht möglich die singenden Wale, die sich ganz in unserer Nähe befanden zu entdecken. Aber das Meer ist voller Leben, bevölkert von Algen abweidenden Schildkröten, durch´s Wasser fliegenden Rochen und riesigen, farbenprächtigen Fischschwärmen, in die man hinein schwimmen kann, um plötzlich vollkommen umgeben zu sein von einer lebenden Wand aus schillernden Fischkörpern. Da wir verspätet mit dem Tauchen anfingen, kam unser Zeitplan etwas durcheinander.

Das Problem war, dass unser nächstes Ziel, der Palo Verde National Park (10° 21' N, 85° 21 W), sein Gate um 18 Uhr schließen würde. Da wir erst um 17 Uhr von unserem Tauchgang zurückkamen und uns noch 2 ½ Stunden Autofahrt bevor standen, war dies nicht zu schaffen.

Wir hatten zwar die Parkverwaltung informiert, aber natürlich konnten wir keine Sonderbehandlung erwarten. Wir hofften, wie immer auf unser Glück und fuhren einfach drauflos. Tief in der Dunkelheit, über holprige Pisten am Gate angekommen, war das Tor erstaunlicherweise nicht verschlossen. Als nach weiteren 30 Minuten Autofahrt die Forschungsstation im Dunkeln vor uns auftauchte, erschien kurz darauf ein Ranger, um uns die Schlüssel für das Zimmer auszuhändigen und uns zu unserem Glück zu gratulieren, dass aus irgendeinem Grund das Parkgate nicht verschlossen war. Puhh, noch einmal gut gegangen. Auch die Küche war noch 5 Minuten geöffnet und wir konnten die letzten Reste vom Abendbüffet zusammenkratzen.

Der Morgen begann mit einer Bootsfahrt durch die Mangrovensümpfe in Richtung einer kleinen Insel, die als Brutstätte von einer Unzahl von Vögeln dient. Die Bäume waren brechend voll mit Vogelschwärmen und vollgepflastert mit Nestern, auf denen die Jungvögel ihre ersten Flügelschläge trainierten. Diese Bootsfahrt in den Morgenstunden ist wirklich lohnenswert, da man soviel Federvieh in so kompakter Weise selten vor die Linse bekommt.

Am Nachmittag ging es mit einer geführten Tour durch den trockenen Regenwald los. Der Wald um Palo Verde ist sogenannter Sekundärwald, das heißt aus der ehemals vollkommen abgeholzten Viehweide hat sich innerhalb der letzten 60 Jahre wieder ein Jungwald entwickelt. Da die Wanderung  in der Mittagshitze statt fand, sind die meisten Tiere auf Tauchstation gegangen. Wenn möglich, sollte man diese Tour ebenfalls nur in den Morgenstunden machen, um noch frisch ausgeschlafene, zum zwitschern motivierte Vögel anzutreffen. Die Atmosphäre der Unterkunft hat den Charme einer Jugendherberge. Doppelstockbetten, gemeinsame Toiletten und ein Koch, der sich redlich bemühte etwas Essbares auf den Tisch zu zaubern. Insbesondere die phantasievolle Variation des Speiseplans wie Bohnen mit Reis oder Reis mit Bohnen oder die besonders knifflige Rezeptur Reis und Bohnen lassen keinen Zweifel daran, dass hier noch weitere unerwartete Varianten auf dem Speiseplan stehen.

Den Sonnenuntergang auf dem Steg mit Blick auf die Sümpfe, welcher nur 100 Meter von der Station entfernt liegt, sollte man auf keinen Fall verpassen. Das Quakkonzert der Frösche, welches sich für europäische Ohren alles andere als Quaken anhört und eher an zusammenklappernde Holzstäbchen erinnert, kündigte den nahenden Sonnenuntergang an. Kaum ist die Dunkelheit hereingebrochen, wird der Vorplatz des Camps mit durchhuschenden Schatten bevölkert. Mit Hilfe des Blitzlichtes lassen sich unter anderem Waschbären, Nasenbären und Pekari (eine Art Wildschweine) den Schattengestalten zuordnen. Wer es auch etwas rustikaler verträgt und morgens nicht vergisst, seine Schuhe auszuschütteln, um sicher zu sein, dass kein Skorpion darin übernachtet hat sowie eine Vielzahl von Tieren sehen möchte, dem sei dieser Abstecher nach Palo Verde empfohlen.

11-13.01.2011 La Fortuna & Vulkan Arenal

Der einzige Grund für mich in das total touristische und hässliche Städtchen La Fortuna zu fahren, war bei Nacht die rot glühenden Lavaströme vom Vulkan Arenal zu sehen. Am Ortseingang  wurde dann von der netten Dame an der Touristeninformation meine Hoffnung auf rege Aktivität des Vulkans zunichte gemacht. Denn seit einigen Monaten ist der Arenal wieder in Tiefschlaf versunken. Welch ein Pech! Um die Situation zu retten, sind wir in eine der vielzähligen heißen Quellen namens Baldi Thermae Hot Springs zum gar Kochen gegangen. Die Anlagen erinnern nach Einschätzung der Einheimischen an Disneyworld im Kleinformat. Zu der Eintrittskarte, die für einen Tag gilt, kann man ein Büffet dazu buchen. Den Mampf, den man dort vorfindet, sollte man lieber den Horden von Fruchtfliegen überlassen, die sich über die lieblos aufgeschnittene Ananas hermachen. Das Büffet aus Hundefutterwürstchen und zu Matsch panierten Fischresten zum Eintritt hinzuzubuchen ist mehr als reine Geldverschwendung.

Für einige kurze Wandertouren von wenigen Stunden, bietet sich das Gebiet um den Arenal an im „Parque National Vulcan Arenal“ (10 US-$ pro Person). Hier kann man teilweise durch Regenwaldgebiete wandern bis zu den Enden der letzten Lavaströme. Diese Touren könnten theoretisch sicherlich sehr schön sein, hätte es nicht der Regenwald mit dem Wörtchen Regen so überaus ernst genommen und hätte der Vulkan nicht wenigstens für eine Sekunde einmal seine Spitze aus den schnell dahin wabernden Nebelschwaden frei geben können. Für mich aber verliert das Gebiet um den Arenal seinen Reiz, wenn der Vulkan nicht aktiv ist. Wer wenig Reisezeit zur Verfügung hat, sollte sich den Aufenthalt in La Fortuna besser sparen.

13-15.01.2011 Monteverde

Jawoll! Wenn man von Norden her nach Monteverde fährt, kann man verstehen, dass einem der Autovermieter kein Auto ohne genügend Bodenfreiheit überlassen möchte, wenn er dieses Ziel kennt. Mit einem normalen Pkw hat man gute Chancen seine Ölwanne irgendwo entlang des Weges in eines der vielen tiefen Matschlöcher zu versenken.

Dass Monteverde in einem Nebelwald liegt, kann man sehr wörtlich nehmen und ein Poncho leistet gute Dienste, wenn der fein zerstäubte warme Nieselregen einem senkrecht direkt ins Gesicht bläst.

Das Örtchen Santa Elena bietet alles zum Thema Kaffee. In Costa Rica wird per Gesetz nur die milde und hochwertige Sorte Arabica angebaut. Da diese auf dem internationalen Markt höhere Preise erzielt als der derbere Verwandte Robusta. Bei lokalen Selbstvermarktern, die den gesamten Herstellungsprozess vom Bohnenanbau über natürliche Lufttrocknung bis hin zur eigenen Röstung selbst in die Hand nehmen, kann man mehr über die einzelnen Prozessschritte des Röstens im Detail erfahren und erschnuppern. Als Ergebnis erhält man einen Kaffee Genuss, der frischer nicht sein kann. Wer es ausprobieren möchte, sollte mal ins „The common cup“ gehen und seinen eigenen Kaffee unter Anleitung von Ken rösten.

 Zum Thema Frösche gibt es den „Frog Pond“. Leider handelt es sich dabei um ein Terrarium mit ca. 20 Froscharten. Wer hier Fotos machen möchte, wird sicherlich enttäuscht sein, da die Scheiben weder geputzt, noch entspiegelt sind. Ganz zu schweigen davon, dass keine Frösche in einer Teichumgebung, wie der Name vermuten lässt, gezeigt werden.

 Da das Wetter sich massiv verschlechtert hatte und der Regen von allen Seiten kam, haben wir beschlossen, die weiteren Aktivitäten auf den nächsten Tag zu verlegen.

 Die ganze Nacht hatte es wie aus Kübeln geschüttet und der nächste Morgen schien auch keine Besserung zu versprechen. Ich denke, die Menschen hier im Nebelwald haben für das Wort „Regen“ ebenso viele unterschiedliche Worte, wie die Eskimos für das Wort „Schnee“. Wir hatten hier immer einen warmen Grundsprühnebel, der überlagert wurde durch seitlich ins Gesicht peitschende dicke Regentropfen oder senkrecht fallende schwere Regentropfen. Einmal mit Sonne und den Regenbogen im Hintergrund, das andere Mal wieder für kurze Zeit tiefdunkel und wolkenverhangen. Nach dem Frühstück war klar, dass wir die anvisierte Standard-Touristenattraktion, die Canopy-Tour (The Original Canopy Tour - http://www.canopytour.com/ - 506 2291-4465) stornieren würden, da eine rasante Fahrt am Drahtseil über die Baumwipfel hinweg im peitschenden Regen nicht allzu viel Laune versprach. Aber wir kapitulierten natürlich nicht. Es gibt viele Wanderwege in der Gegend und wenn man sich ins Unterholz schlägt, kommt von dem Sprühnebel und den starken Winden unter dem dick vermoosten und mit allerlei Schlingpflanzen verwachsenen Blätterdach  nach den Massstäben von Monteverde nur wenig Regen am Boden an. Zur Einstimmung auf unseren Wandertag besuchten wir einen von etlichen kleinen Wanderwegen (Sendero Aguacate  - Avocado Trail), die direkt vom Hotel (Cloud Forest Lodge, Puntarenas, P.O. Box 531-1000 San José, Costa Rica , +506-2645-5058) aus begehbar sind und ausnahmsweise einmal ohne Eintrittsgebühr verbunden waren.  

Da wir noch weit davon entfernt waren vollkommen durchnässt zu sein, ging es zum nächsten Ziel: Reserva Biologica Bosque Nuboso Monteverde. Auf dem dreistündigen Rundwanderweg geht es hindurch durch den ursprünglichen Nebelwald über eine Hängebrücke zur Laventana, der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik über eine Unzahl von Stegen um dem matschigen Untergrund auszuweichen, zu kleinen Wasserfällen und wieder zurück zum Eingang. Nicht weit vom Ausgang hat ein Ladenbesitzer Futterstellen für Colibris aufgebaut, die von einer Vielzahl kleiner bunter mit rasanten Flügelschlägen dahinbrummenden Piepmätzen dankbar angenommen werden. Eine so große Anzahl von unterschiedlichen Colibris, die einem über den Kopf hinwegdüsen, in freier Wildbahn beobachten zu können, ist schon beeindruckend.

 Wandern macht hungrig und so sind wir einer Empfehlung des Lonely Planet gefolgt und haben das Restaurant „Sofia“ in Santa Elena ausprobiert. Der Koch zaubert raffinierte lokale Küche, welche man bis auf den Caipirinha durchweg empfehlen kann.

15. + 16.01.2011 Dominical und Uvita

 Und es regnet immer noch. Monteverde hatte kein Erbarmen mit uns und zeigte sich uns nur von seiner nassen Seite. Da der Wetterbericht keine Besserung versprach, haben wir unsere Sachen gepackt und sind wieder Richtung Süden an die Küste gefahren. Der Weg von Monteverde in Richtung Süden ist zwar auch ein Schotterweg, aber deutlich besser in Schuss, als die Variante vom Norden aus Arenal kommend. Bis zur Auffahrt auf die sehr gut ausgebaute Interamerica – Nationalstrasse Nr. 1, gibt es immer wieder herrliche Ausblicke auf die Nebelwälder, die bereits nach 10 km Fahrt in der Ferne zu liegen scheinen, denn plötzlich ist die Erde wieder staubtrocken und man befindet sich wieder in der Jahreszeit, den der Kalender vorgibt, der Trockenzeit. Da die Interamerica einer der besten Strassen war, die wir seither in Costa Rica gefahren sind, haben wir unser Ziel Uvita deutlich schneller erreicht, als erwartet.

Wer in der Dämmerung auf dem Balkon sitzend, einen Blick über die gesamte Küstenregion haben möchte, dem sei das etwas in die Jahre gekommene Whales and Dolphins empfohlen (das Hotel liegt 17 km südlich von Dominical auf dem South Coast Highway, Uvita - Osa - Puntarenas - Costa Rica).

 Nördlich von Uvita liegt das Dörfchen Dominical, was fest in der Hand von Amerikanern zu sein scheint. Hauptaktivität ist hier surfen und relaxen und riesige mit Käse überbackenen, mit Avocadocreme verfeinerte Portionen von Nachos zu essen.

Uvita Beach im Ballena National Marine Park gelegen (6 US-$ pro Person) dagegen ist noch in der Hand der Ticos, die am Wochenende scheinbar ihren halben Hausstand an die Küste karren, um dann ein ausgedehntes Familienpicknick unter den Palmen bei einer Menge frisch Gebruzzeltem vom Grill an ihrem Strand zu genießen.

Vom Uvita Beach bis zum La Colonia Beach kann man entweder am feinen ausgedehnten Sandstrand mit seiner markanten walflossenartigen Küstenformation oder die nur einige Meter landeinwärts mit Laub- und Palmendach beschattete parallel laufende Piste entlang wandern. Mit etwas Glück kann man bunte krächzende Aras bestaunen, die sich genüsslich über die Früchte der Bäume hermachen.

Leider spülten die Flüsse aufgrund des vielen Regens in den Bergen jegliche Sicht versperrende Sedimente ins Meer. Schnorcheln war somit nicht möglich, wenn man sich als Minimum eine Sicht von 2 Metern zur Unterwasserweltbeobachtung wünscht. Da wir leider den Fisch nicht vor die Taucherbrille bekamen, haben wir ihn als Trostplaster wenigstens lecker zubereitet im Cuna del Angel auf den Teller bekommen (Cuna del Angel 9km/ 4,5 miles südlich von Dominical Beach entfernt, im Süd Pazifik von Costa Rica - + 506 2787-8012). Übrigens gibt es hier auch eine Mojito-Variante mit Passionsfrucht, die ein Versuch wert sein dürfte.

17-19.01.2011 Park National Corcovado

 Etwa zwei Autostunden von Uvita entfernt liegt der National Park Corcovado, welchen wir aufgrund vieler Empfehlungen von Einheimischen als unser letztes Ziel angesteuert haben. Als Ausgangspunkt zum dem Park haben wir uns in der Suital Lodge eingemietet. Die Anlage besteht aus einigen einfachen kleinen Hütten, die im Wald verteilt sind und von deren Terrassen man im Schaukelstuhl direkt die Tiere beobachten kann. Wer sich dann doch noch etwas bewegen möchte, kann sich ein Paddel schnappen, einen Pfad durch den Urwald 15 Minuten hinunter zur menschenleeren Bucht absteigen, sich dort eines der Kayaks vom Strand ins Wasser ziehen und dann auf eigene Faust zwischen den kleinen vorgelagerten Inselchen umherschippern. Romantische Naturen kommen so zu ihren wenige Quadratmeter grossen eigenen Inselchen, deren klares Wasser den Schnorchlern die Möglichkeit gibt, dem Fischkindergarten im seichten Gewässer beim Spielen zuzusehen.

 Obwohl Carlos, der immer freundliche und sehr hilfsbereite Besitzer der Lodge und gute Koch für heimische Küche in Personalunion, alle Hebel in Bewegung setzte, um doch noch kurzfristig einen Englisch-sprachigen Führer für den Nationalpark zu finden, war am Ende nur noch eine Einheimische, spanisch sprechende Führerin verfügbar, die im Park aufgewachsen war. Die Eintrittskarten für den Park hält Carlos übrigens für seine Gäste auf Vorrat bereit und erspart ihnen damit eine Fahrt zur Bank nach Puerto Jimenez, die für den Ticketverkauf die Anlaufstelle ist. Am Parkgate selbst kann man erstaunlicherweise kein Eintrittsticket erhalten.

 Die Fahrt zum östlichen Parkeingang Los Patos kann man nur mit einem geländefähigen Untersatz wagen und auch nur dann, wenn es nicht gerade geregnet hat. Alternativ fährt ein Taxi das relativ kurze Stück für ca. 80 US-$ (einfacher Weg). Der Grund hierfür ist, dass die Piste in einem Flussbett entlang läuft, in dem man bei Niedrigwasser ständig die kleinen Wasserläufe durchkreuzt. Ich würde sagen, für unser Auto war der Wasserstand grenzwertig. Aber es hat eben gerade so gereicht, um im ersten Gang über die großen Flusssteine dahinpolternd den Parkeingang zu erreichen. Von hier aus kann man eine 8 bis 10 stündige schwül-heiße Wanderung auf matschig-rutschigen Wegen (die Einheimischen haben daher bereits ihr Schuhwerk auf Gummistiefel umgestellt) zu der Forschungsstation und dem Camp Sirena unternehmen. Dort sollte man vorab eine Übernachtungsmöglichkeit für mindestens 2 Nächte reserviert haben. Als Tagestour ist diese Entfernung natürlich nicht möglich, wenn man den Rückweg mit einplanen muss und dann auch noch in Ruhe die Tiere, die sich dem Camp nähern, beobachten möchte. Daher sind wir nur wenige Stunden in Richtung Sirena gelaufen, mit der Hoffnung ein paar Tiere vor die Linse zu bekommen. Leider beschränkte sich die Tierbeobachtung an diesem Tag auf ein paar Schmetterlinge, Frösche und weit entfernte Kapuzineräffchen. Laut Guide lag es wohl daran, dass sich die Tiere in der Trockenzeit in Richtung Küste bewegen. Wenn dem so ist, eignet sich eine Tageswanderung von der Ostseite her nicht, um größere Tiere zu beobachten. Man sollte dann mindestens die drei Tage Variante wählen und zwei Nächte im Camp Sirena übernachten. Da das Camp meist ausgebucht ist, muss man sich sehr frühzeitig um eine Reservierung kümmern.

19.-20.1.2011 San José, Rückreise

Wer sich nicht an schmuddeligen Städten, die im Verkehr ersticken und in denen sich die Bewohner hinter vergitterten Fenstern verbarrikadieren, erfreuen kann, sollte San Jose so schnell wie möglich verlassen, um die grandiose Natur des Landes genießen zu können. Das Hotel Kekoldi (Barrio Amón, San José, Avenida 9, Calles 5 & 7, http://www.kekoldi.com) liegt zentral und erfüllt seinen Zweck für eine Nacht.

Zum Abschluss...

  • Sich nachts alleine auf den Stränden herumzutreiben, ist alles andere als eine gute Idee und kann ziemlich unromantisch enden. In den letzten 10 bis 15 Jahren ist die Kleinkriminalität laut Aussage der Einheimischen deutlich angestiegen. Früher konnte man seine Badesachen sorglos am Strand zurück lassen. Heute muss man schon Glück haben, wenn man noch etwas vorfindet, nachdem man eine Runde in den Wellen geplanscht hat.

  • Wer seine Sachen bei der Dämmerung oder in der Nacht nicht fest am Körper hat, sollte diese lieber nicht mit an den Strand nehmen. Aus eigener Erfahrung können wir berichten, dass es nicht reicht, den Rucksack neben sich abzustellen. Eine Schattengestalt kommt aus dem Unterholz, schnappt sich die Tasche und verschwindet wieder in der Dunkelheit im Dickicht. Mit dem Überraschungsmoment und der besseren Ortskenntnis auf seiner Seite waren Rucksack und Kamera auf nimmer Wiedersehen verschwunden.

  • Unbedingt das Eis Tritz von Dos Pinos und fritierte und gesalzene Bananen probieren.

  • Geld sollte man in einer Nationalbank tauschen, nicht in Wechselstuben am Flughafen um einen besseren Wechselkurs zu erhalten.

  • Allradantrieb für die teilweise "schwierigen" Strassen ist sehr von Vorteil.

  • Ein Navigationssystem ist in diesem Land sehr von Vorteil, weil man mit Strassennamen äußerst sparsam ist. Ziele werden hier meist nach dem Namen der Lokalität benannt und nicht so sehr nach einem Strassennamen. Insbesondere in der Nacht, wenn man die spärlichen Inlandsschilder nur noch selten findet, leistet das kleine Helferlein in entlegenen Gegenden gute Dienste. Im Gedränge und wilden Gekurve von San Jose  ist es mir ein Rätsel wie man als Fremder in dieser Stadt ohne ausreichende Hinweise auf Strassennamen sein Ziel finden kann.

  • An den Strandregionen wird sehr oft ein Smothie angeboten. Unbedingt mit Wasser oder Milch probieren.

  • In allen Cafés, Restaurants und Unterkünften gibt es kostenlos Internetzugriff über Wireless-Lan.

  • Der öffentliche Verkehr , insbesondere die Busverbindungen sind gut ausgebaut und wider Erwarten ausserordentlich pünktlich.